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Kinder vs Karriere

9 Apr

Ungefähr seit dem ersten positiven Schwangerschaftstest bin ich einem ziemlichen Dilemma ausgesetzt: Kinder vs Karriere

Jetzt habe ich dies: http://www.familie-ist-zukunft.de/seite/wp-content/uploads/2012/04/boehm-faz-040412.pdf gelesen (und weitere auf diese Studie bezogene Artikel) und werde mein Studium weiterhin aufschieben, bis auch mein zweites Kind das Kleinkindalter hinter sich hat.
Trotzdem fühle ich mich dabei nicht gut, was mir fehlt ist die Annerkennung und die baldige Aussicht auf ein satteres Konto.

Andererseits kenne ich auch viele Mütter die sich entschieden haben gleich oder spätestens nach einem Jahr(=Ende Elterngeld) weiter zu arbeiten/studieren
und ebensowenig mit ihrer getroffenen Entscheidung zufrieden sind;
was ihnen fehlt sind die unwiederbringlichen Momente mit ihren Kindern und Ruhe vor dem unterschwelligen Gefühl eine Rabenmutter zu sein.

Wie man es dreht und wendet: die Frau die Beides will muss sich zerreißen.

Ich hab schon so oft Artikel+Bücher gelesen alá: „so gelingt der Spagat zwischen Arbeit+Familie“ und grob zusammengefasst läuft es immer auf das selbe hinaus:

Die Frau muss sich eben den A… aufreißen:
vorallem straff organisiert sein, ein soziales Netz aufrecht halten das sie unterstützt, immer schön „quality time“ verbringen, den Partner bei Haushalt+Co einbinden (wenn man keinen „modernen Mann“ hat und ihn dafür erst von diesem Vorhaben überzeugen muss – womöglich zwecklos – , wird gleich die Partnerwahl in Frage gestellt), auf der Arbeit möglichst wenig Gebrauch machen von Familienbezogenen Entschuldigungen oder Krankheitstagen (im Idealfall sollte man ihr gar nicht anmerken dass sie überhaupt Familie hat O,o) und natürlich wichtig: gut platzierte Erholungsinseln, ganz nach Plan.
So eine Frau kann sich kein böses Wort zu irgendwem leisten oder mal sauer und schlecht drauf sein. Schließlich fühlt sie sich abhängig von Allen.
Was sie ja auch ist, solang sie ihren Spagat durchhalten will.

Und es gibt soooooooooooooooooooooooooooooooo viele arbeitende Mütter / mütternde Arbeiter die diesen Weg gehen, Tag für Tag.

Und sie reiben sich dabei auf, meist auf Kosten der eigenen Gesundheit.
Immerhin kann man sich dabei noch heroisch auf die Schultern klopfen und sich sagen, dass man unglaubliches leistet.
Aber im Grunde ist das doch bescheuert, diese Last einfach aufopfernd anzunehmen, statt etwas an den Bedingungen zu ändern.

Denn es ist ja so: Eigentlich muss sich Keiner aufopfern. Es ist durchaus möglich familienverträglich zu Arbeiten und karriereverträglich eine Familie zu haben. Man schaue nur mal nach Norden, wo womöglich nicht das Gras grüner und der Himmel blauer sein mag, aber die Vereinbarkeit von Beruf+Familie realistischer ist.

Und jetzt folgt nicht die Standart-Forderung nach „der unfähigen Politik“, die was ändern muss. Zumindest dem Namen nach leben wir hier ja demokratisch, folglich geht alle Macht vom Volke aus.
Also sollten die Frauen (und Alle die sich ebenfalls am Status Quo stören) zuerst mal damit aufhören die Situation hinzunehmen und sich zu zerreiben beim Versuch mit der gegebenen Situation zu leben.

Erzählt von euren Sorgen und Problemen.
Stellt Forderungen, an Jeden mit dem ihr sprecht, ob beim Chef oder beim Bäcker, nach einer besseren Vereinbarkeit dieser zwei Lebensschwerpunkte.
Undzwar so umgesetzt dass es weder zu Lasten der Kinder (Fremdbetreuung ab frühestmöglichem Zeitpunkt) noch der Frauen (Spagat üben, zwangsweise Hausfrau sein) geht.
Es muss ein breites Bewusstsein für die Mißlage entstanden sein, damit etwas zur Verbesserung geschieht.

Liebe Grüße,
Nyad

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